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23.03.2018, FRÜHLINGSVORLESUNG
Die Welt in Reichweite bringen
Kritische Reflexionen zum Verhältnis von Resonanz und Umverfügbarkeit TEIL II

Resonanz lässt sich als ein komplexer Prozess verstehen, der durch vier Merkmale gekennzeichnet ist: 1) Affizierung: Ein Subjekt lässt sich von einem anderen Menschen, einem Ding, einer Idee oder Melodie o.ä. berühren und bewegen; 2) Selbstwirksamkeit: Es antwortet darauf mit einer leiblichen, emotionalen, kognitiven und kreativen Reaktion; 3) Transformation: Dadurch entsteht eine ‚Antwortbeziehung‘, in deren Verlauf sich sowohl das Subjekt als auch das begegnende Andere transformieren; 4) Unverfügbarkeit: Was sich als das Ergebnis dieses Prozesses ergibt, lässt sich nicht vorhersagen oder planen, daher ist das vierte Element des Resonanzgeschehens ein Moment der Unverfügbarkeit. Unverfügbarkeit bezieht sich dabei nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch schon auf das Auftreten von Resonanz überhaupt: Sie lässt sich nicht erzwingen oder (rein) instrumentell herbeiführen. Das zentrale Bestreben der Moderne dagegen gilt stets dem ‚Dingfest-‘ und Verfügbarmachen der Welt. Die Weltdinge und Prozesse sollen wissenschaftlich, technisch, ökonomisch, rechtlich und politisch kontrolliert und alltagspraktisch verfügbar werden. Dies hat jedoch zur Kehrseite, dass uns die Welt zu ‚verstummen‘ droht. Tatsächlich sind eben darin Kreativität und Resonanz intrinsisch miteinander verbunden: Auch Kreativität ist durch dieses Doppelmoment von Unverfügbarkeit gekennzeichnet, und auch Kreativität hat einen transformativen Aspekt. Daher lässt sich das Kunstschaffen als ein Resonanzgeschehen zwischen der künstlerischen Kompetenz und Selbstwirksamkeit des Subjekts und der Unverfügbarkeit eines sich immer auch entziehenden, aber antwortenden Gegenübers verstehen. Die Vorträge werden versuchen, diesen Zusammenhang zwischen Resonanz, Kreativität und Unverfügbarkeit in Lebenswelt und Gesellschaft der Moderne systematisch zu entfalten und die hier angelegte Spannung für eine Gesellschaftskritik zu nutzen.

Hartmut Rosa

 

23.03.2018, FRÜHLINGSVORLESUNG
Die Welt in Reichweite bringen
Kritische Reflexionen zum Verhältnis von Resonanz und Unverfügbarkeit

Resonanz lässt sich als ein komplexer Prozess verstehen, der durch vier Merkmale gekennzeichnet ist: 1) Affizierung: Ein Subjekt lässt sich von einem anderen Menschen, einem Ding, einer Idee oder Melodie o.ä. berühren und bewegen; 2) Selbstwirksamkeit: Es antwortet darauf mit einer leiblichen, emotionalen, kognitiven und kreativen Reaktion; 3) Transformation: Dadurch entsteht eine ‚Antwortbeziehung‘, in deren Verlauf sich sowohl das Subjekt als auch das begegnende Andere transformieren; 4) Unverfügbarkeit: Was sich als das Ergebnis dieses Prozesses ergibt, lässt sich nicht vorhersagen oder planen, daher ist das vierte Element des Resonanzgeschehens ein Moment der Unverfügbarkeit. Unverfügbarkeit bezieht sich dabei nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch schon auf das Auftreten von Resonanz überhaupt: Sie lässt sich nicht erzwingen oder (rein) instrumentell herbeiführen. Das zentrale Bestreben der Moderne dagegen gilt stets dem ‚Dingfest-‘ und Verfügbarmachen der Welt. Die Weltdinge und Prozesse sollen wissenschaftlich, technisch, ökonomisch, rechtlich und politisch kontrolliert und alltagspraktisch verfügbar werden. Dies hat jedoch zur Kehrseite, dass uns die Welt zu ‚verstummen‘ droht. Tatsächlich sind eben darin Kreativität und Resonanz intrinsisch miteinander verbunden: Auch Kreativität ist durch dieses Doppelmoment von Unverfügbarkeit gekennzeichnet, und auch Kreativität hat einen transformativen Aspekt. Daher lässt sich das Kunstschaffen als ein Resonanzgeschehen zwischen der künstlerischen Kompetenz und Selbstwirksamkeit des Subjekts und der Unverfügbarkeit eines sich immer auch entziehenden, aber antwortenden Gegenübers verstehen. Die Vorträge werden versuchen, diesen Zusammenhang zwischen Resonanz, Kreativität und Unverfügbarkeit in Lebenswelt und Gesellschaft der Moderne systematisch zu entfalten und die hier angelegte Spannung für eine Gesellschaftskritik zu nutzen.

Hartmut Rosa

 

22.03.2018, FRÜHLINGSVORLESUNG
Die Welt in Reichweite bringen
Kritische Reflexionen zum Verhältnis von Resonanz und Unverfügbarkeit Teil I

Resonanz lässt sich als ein komplexer Prozess verstehen, der durch vier Merkmale gekennzeichnet ist: 1) Affizierung: Ein Subjekt lässt sich von einem anderen Menschen, einem Ding, einer Idee oder Melodie o.ä. berühren und bewegen; 2) Selbstwirksamkeit: Es antwortet darauf mit einer leiblichen, emotionalen, kognitiven und kreativen Reaktion; 3) Transformation: Dadurch entsteht eine ‚Antwortbeziehung‘, in deren Verlauf sich sowohl das Subjekt als auch das begegnende Andere transformieren; 4) Unverfügbarkeit: Was sich als das Ergebnis dieses Prozesses ergibt, lässt sich nicht vorhersagen oder planen, daher ist das vierte Element des Resonanzgeschehens ein Moment der Unverfügbarkeit. Unverfügbarkeit bezieht sich dabei nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch schon auf das Auftreten von Resonanz überhaupt: Sie lässt sich nicht erzwingen oder (rein) instrumentell herbeiführen. Das zentrale Bestreben der Moderne dagegen gilt stets dem ‚Dingfest-‘ und Verfügbarmachen der Welt. Die Weltdinge und Prozesse sollen wissenschaftlich, technisch, ökonomisch, rechtlich und politisch kontrolliert und alltagspraktisch verfügbar werden. Dies hat jedoch zur Kehrseite, dass uns die Welt zu ‚verstummen‘ droht. Tatsächlich sind eben darin Kreativität und Resonanz intrinsisch miteinander verbunden: Auch Kreativität ist durch dieses Doppelmoment von Unverfügbarkeit gekennzeichnet, und auch Kreativität hat einen transformativen Aspekt. Daher lässt sich das Kunstschaffen als ein Resonanzgeschehen zwischen der künstlerischen Kompetenz und Selbstwirksamkeit des Subjekts und der Unverfügbarkeit eines sich immer auch entziehenden, aber antwortenden Gegenübers verstehen. Die Vorträge werden versuchen, diesen Zusammenhang zwischen Resonanz, Kreativität und Unverfügbarkeit in Lebenswelt und Gesellschaft der Moderne systematisch zu entfalten und die hier angelegte Spannung für eine Gesellschaftskritik zu nutzen. 

Hartmut Rosa

 


 

17.03.2018, ZUGABE
ZUGABE ZU ORLANDO
ME TOO

In der Reihe „Zugabe“ beziehen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Philosophie, Wirtschaft und Politik Stellung zu Produktionen des Schauspielhaus-Spielplans. Die Zugaben vor Vorstellungsbeginn bieten Hintergrundwissen und Statements zu thematischen Schwerpunkten in den Inszenierungen des Hauses.

In der Zugabe zum Stück Orlando wird Frau Prof. Dr. Sabine Grenz einen Vortrag über Gender-Equality  und Chancengleichheit mit dem Titel "Me Too" halten.

Sie ist Professorin für Gender-Studies an der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft, der Fakultät für Sozialwissenschaften und der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät

 

 

 

15.03.2018 - 15.03.2018, KUNST VOR ORT
AUSSTELLUNG JULIA GAISBACHER UND BARBI MARKOVIC
ONE DAY YOU WILL MISS ME

Belgrads neues Luxusviertel Waterfront steht mit seinem kontrastreichen Umbau der Stadtvedute für einen ungenierten ästhetischen Kapitalismus. Julia Gaisbacher und Barbi Markovic untersuchen in ihrem gemeinsamen Kunst-Literatur-Projekt diese vielsagenden Überlagerungen von Sein und Seinsollen, wie sie sich auf der Baustelle und in der Bewerbung des Stadtentwicklungsprojekts zeigen. Denn die Effekte dieser Wirklichkeit gewordenen Scheinwelt erweisen sich als repräsentativ für viele Umbrüche der Gegenwart.

 

Das überdimensionale Stadtteilentwicklungsprojekt „Waterfront Project“ der Eagle Hill Group transformiert den Stadtteil Belgrads Savamala sowie die gesamte Stadtlandschaft nachhaltig. Anstelle des gewachsenen Wohnviertels sowie der alten Hafen- und Bahnhofsanlage sollen gated communities, Büros und Retailflächen für eine aufstrebende Mittelschicht entstehen. Die daraus resultierenden urbanen Verdrängungsprozesse und Zwangsenteignungen werden auf politischer Ebene wohlwollend geduldet und nicht entgegengewirkt. Kritischen Medienberichten zu Folge profitieren Teile der Regierung durch Korruption rund um das Immobiliengeschäft während ökonomisch schwache Stadtbewohner*innen dadurch weiter an den Rand des Stadtgefüges gedrängt werden.
Zum weithin sichtbaren Symbol des „Waterfront Project“ wurden die beiden ersten Wohntürme des 1,8 Millionen Quadratmeter umfassenden Bauprojekts. Lebendiger urbaner Raum ist stets Veränderungen unterworfen, allerdings kaum derart drastischen Einschnitten. Das Bauprojekt dominiert stadtplanerisch, ökonomisch selbst visuell den Alltag Belgrads. Der erste Teil Julia Gaisbachers fortlaufende Dokumentation „One day you will miss me“ hält den status quo des Belgrader Stadtgefüges zum Zeitpunkt des Rohbaus der beiden Wohntürme und damit unweigerlich die Verfasstheit der serbischen Politik beziehungsweise gesellschaftlicher Verdrängungsprozesse fest. Niemals im Fokus der Fotos, sind die Türme stets präsent und kontrastieren mit der alten Bausubstanz der gewachsenen Stadt. In ihrer Dimension und Materialität bleiben sie Fremdkörper in der Belgrader Stadtlandschaft. Erst im Austausch mit den Bewohnern*innen der Stadt wird bewusst, dass selbst derartige architektonische Eingriffe innerhalb kurzer Zeit Teil der persönlichen Sehgewohnheiten und gleichsam langsam unsichtbar werden.
Gleichzeitig offenbart sich in Belgrad als einem der hotspots der Fluchtbewegungen nach Europa die Paradoxie internationaler Mobilität. Während durch die Schließung der so genannten Balkanroute unzählige Menschen auf ihrer Flucht in Belgrad strandeten, gilt für die Initiatoren des „Waterfront Project“, die Investoren der arabischen Immobilienentwicklungsgruppe „Eagle Hills“, uneingeschränkte Mobilität. So zeigt sich wie Geschäftsinteressen losgelöst von limitierenden Grenzziehungen agieren können. Im Gegensatz dazu stoßen die geflüchteten Menschen entlang der ungarischen, kroatischen und griechischen Grenze in Serbien und Mazedonien an eine für sie legal unüberwindbare Hürde. Dieses Scheitern einer koordinierten und solidarischen Politik Europas schreibt sich ebenso in die Stadtlandschaft Belgrads ein.


(Anna Resch und Sebastian Jobst, 2017)

 


 

07.03.2018, LIME_LAB
lime_lab 3 PREISVERLEIHUNG
Labor für transdisziplinäres Hörspiel

lime_lab ist ein temporäres interdisziplinäres Labor zur Entwicklung neuer medienüberschreitender Hörspiele, das anlässlich seines 90. Geburtstags zu Ehren von Emil Breisach gegründet wurde. (Lime ist ein Ananym seines Vornamens, der schon zu Schulzeiten sein Spitzname war.) Ziel ist, neue Erzählformen im Sog des beschleunigten Medienwandels und im Dialog mit anderen künstlerischen Genres zu finden. lime_lab ist ein Kooperationsprojekt von Akademie Graz, Forum Stadtpark, Literaturhaus Graz, ORF Steiermark und steirischer herbst.

 

PREISE UND PREISTRÄGERINNEN

 

lime_lab-Preis € 4.000,-, gestiftet von
Bundeskanzleramt Österreich

MÄANDERUNGEN -
AKUSTISCHE VERMESSUNGEN DER STADT

Nayari Castillo-Rutz, Reni Hofmüller, Miriam Raggam und Hanns Holger Rutz

Das Gewinnerprojekt wird zudem im Rahmen der Veranstalter-Kooperation von lime_lab realisiert, uraufgeführt und vom ORF gesendet

 


Förderpreis € 1.800,- der Energie Steiermark AG

WÄRMESTUBE
Georg Oberhumer

17.02.2018 - 17.02.2018, KUNST VOR ORT
AUSSTELLUNG MICHAELA BRUCKMÜLLER
…sollst sanft in meinen Armen schlafen… oder das dualistische System der toxischen Flora

Michaela Bruckmüller behandelt das Thema Kommunikation am Beispiel heimischer Pflanzen, die zur Abwehr und somit Arterhaltung Gifte bilden. Während andere Pflanzen sich mit Stacheln oder Dornen abgrenzen, wird ihre Giftigkeit oft durch Signalfarben sichtbar. Sie locken nach außen durch Schönheit in Farbe und Form, tragen aber den Abgrund in sich, denn sie sind meist beim ersten Kontakt für den Menschen toxisch, also krankmachend. Sobald man sich aber näher mit einer Pflanze beschäftigt und ihre Giftstoffe in eine bestimmte Konzentration und Zusammensetzung bringt, kann sie – entgegen ihres vormaligen pathogenen „Konzepts“ –  auch kurativ wirken. Übertragen auf den Menschen wird hiermit die Kommunikation als ein Prozess definiert, der sich zwischen Abwehr, Schutz, Verlockung und tieferer Auseinandersetzung bewegt. Bruckmüller stellt die Pflanzen in großformatigen, gestochen scharfen Aufnahmen in einer nüchternen, dekorativen Ästhetik dar. Inkludiert ist die lateinische Bezeichnung der jeweiligen Pflanze sowie ihre Bedeutung für die Kommunikation mit der Umgebung. Zu den Arbeiten werden von einer Frau gelesene Texte aus dem Buch „Tod und Flora“ von Helmut Eisendle – eine Vorstellung von 33 Giftpflanzen und deren toxischen „Qualitäten“ sowie absurde Berichte von Menschen, die durch von anderen verabreichte Pflanzengifte starben – eingespielt.                                                                                         Petra Noll

 

17.01.2018 - 17.01.2018, KUNST VOR ORT
ÜBERSCHREIBUNGEN
KUNSTDIALOGE AUF AUGENHÖHE

Überschreiben und Neu-Codieren sind, so Peter Weibel, elementare Strategien des kulturellen Wandels. Traditionen werden einer beständigen Aktualisierung unterworfen. Das findet gegenwärtig auch im Umgang mit Behinderung statt: Selbstbestimmt zu leben, ein Gegenüber auf Augenhöhe zu sein und die Welt mitzugestalten, das sind die Ziele von Inklusion.

Der Kunstdialog zwischen dem Atelier Randkunst der Lebenshilfe und der 6A-Klasse am Akademischen Gymnasium unter künstlerischer Begleitung von Walter Köstenbauer ist ein gutes Beispiel für das gemeinsame Gestalten auf Augenhöhe: In mehrmaligen Begegnungen haben die Randkünstler und die SchülerInnen Werke getauscht und wechselweise überarbeitet. Die dabei praktizierte Sensibilität, Respekt und Wertschätzung für den Selbstausdruck des Anderen hat die gemeinsame Arbeit an einem größeren Ganzen erst ermöglicht.

 


 

 

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