11. Oktober bis 3. Dezember 2019

WIR ANDEREN
Kati Bruder

Ausstellung

Eröffnung: 10. Oktober 2019, 19.00 Uhr

Im Rahmen der Ausstellung “arm in Österreich”, die am 7. November 2019 um 19 Uhr im Museum für Geschichte eröffnet wird.

Schwellen – eine Fotoserie in den Notschlafstellen von Kati Bruder

In ihren Fotoserien untersucht Kati Bruder die Ambivalenz von Sichtbarkeit: Wie bestimmen sozialer Status und Geschlecht die visuelle Wahrnehmung? Was wird von wem zu sehen gegeben? Welche Rolle spielt die symbolische Bedeutung des Blicks? Und welche Positionen nehmen wir ein, sobald sich eine Kamera auf uns richtet?

Das fotografische Projekt „WIR ANDEREN“ basiert auf einem Text aus dem Lettre International 02/2012:„AM LIEBSTEN IST MIR, WENN ALLE RICHTIG VERTEILT WERDEN, DIE IRREN IN DIE IRRENANSTALT, DIE MÖRDER INS ZUCHTHAUS, UND WIR ANDEREN SIND ZU HAUSE, DAMIT WIR UNS DAS GANZE IM FAUTEUIL BEI EINEM TÄSSCHEN KAFFEE ANSEHEN.“– BELTEMPO
Inspiriert von Beltempos Text begann ich Gemeinschaften zu besuchen, immer auf der Spur nach den sozialen Verbindungen in Zusammenhang mit Räumen. Das WIR einer Gemeinschaft ist eine soziale Skulptur, der man angehört, die zugleich aber auch auf die ANDEREN blickt. Wir sind immer beides: sowohl Subjekt als auch Objekt. Einmal sind wir WIR und das andere Mal die ANDEREN.Ich fotografiere Menschen, die durch räumliche Umstände von außen als Gruppe wahrgenommen werden. Dabei treffe ich sowohl Schicksalsgemeinschaften als auch selbstorganisierte oder temporäre Gemeinschaften. Immer bitte ich die an einem speziellen Ort lebenden Menschen, mir ihre Eingangstüre zu öffnen und sich im Vorraum zu positionieren.WIR ANDEREN ist ein Projekt über Wahrnehmung und Bildung von Gemeinschaften in unserer Gesellschaft, dem Entstehen eines Wir-Gefühls, über Zusammenhalt, Ausgrenzung, Einsamkeit, räumliche Nähe und Isolation, Sichtbarkeit sowie Reprä- sentation. Ich untersuche die Verbindungen zwischen dem Blick auf verschiedene Gemeinschaften, deren Räumlichkeit und Verbundenheit. Dabei spielt auch die Reflexion des Blicks und der Vorgang des Sehens als kulturell geprägter Prozess eine große Rolle.

Folgenden Fragen gehe ich nach: Wann entwickelt sich durch räumliche Nähe ein Gemeinschaftsgefühl? Wird dieses Gefühl der Verbundenheit durch eine äußere Bedrohung erhöht? Was benötigen Gemeinschaften, um ein WIR-Gefühl etablieren zu können?

Die Fotoserie wird ständig erweitert und beinhaltet Bilder von unterschiedlichen Gemeinschaften, Interviews mit den fotografierten Personen, Videos, Textbeiträgen von JournalistInnen, EthnologInnen, SoziologInnen, PhilosophInnen und KünstlerInnen. Ich kooperiere im Zuge des Projekts mit unterschiedlichen Personen und karitativen Einrichtungen, wie z.B. der Caritas Wien, ÄrztInnen und Privatpersonen.

Kati Bruder (geb. 1978, Graz) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien (Abschluss, 2015). Sie lernte den Umgang mit der Kamera bei Peter Kodera und arbeitet seit 2003 als freischaffende Fotografin mit dem Schwerpunkt Portrait. Kati Bruder lebt in Wien und arbeitet international.

Sie erhielt u.a. 2017 das Staatsstipendium für künstlerische Fotografie (A) und 2015 den Förderpreis für Fotografie der Stadt Graz, den Publikumspreis der Wiesbadner Fototage und den Anerkennungspreis des Europäischen Architekturfotowettbewerbs „architekturbild e.v.“. Lehrtätigkeit an der New Design University (NDU) in St. Pölten (Bildkompetenz). Ausstellungen im In- und Ausland: u.a. MAK – Museum für angewandte Kunst Wien, Museum für Fotografie – Helmut Newton Stiftung Berlin, DAM – Deutsches Architekturmuseum Frankfurt, Clervaux – cité de l’image Luxembourg, Literary Museum of Odesa, StageOne Zürich, Arebit Gallery und Getty Images Gallery London, Alkatraz Galerija Ljubljana …

http://www.katrinbruder.com

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