REISEBERICHT:
TAG 1: Tiflis – Mzcheta – Tsetovani
Nach einer Stadtrundfahrt durch Tiflis war der erste historische Höhepunkt unserer Anreise, der Besuch Georgiens ältester Kreuzkuppelkirche, die georgisch-orthodoxe Dschwari-Kirche (Dschwari/Kreuz) aus dem 6. Jh. In Mzcheta, dem religiösen Zentrum Georgiens wurde ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe besichtigt. Die mittelalterliche Kathedrale Swetizchoweli (“lebensspendende Säule”) aus dem 11. Jh. Diese Kathedrale ist die zweitgrößte georgische Kirche (nach der Dreifaltigkeits-Kathedrale in Tiflis) und war lange die Krönung- und Begräbniskirche der georgischen Monarchen. Im Anschluss trafen wir in Tsetovani, Nana Chakreuli, der Leiterin des Mtskheta-Mtianeti Regional Hub “For Better Future”. Ihr Vortrag über die jüngere Geschichte Georgiens und ihre Arbeit nach der russischen Okkupation 2008 v.a. für internally displaced persons aktiv. Durch die Arbeit dieser NPO sollen Bürger:innen vermehrt in die politischen Entscheidungsprozesse integriert werden sowie die soziale Verantwortung von Unternehmen befördert und sich für Frieden engagiert werden! TIPP: in der hauseigenen Werkstatt entsteht hochwertiger Schmuck von dort wohnhaften Frauen in feinster Handarbeit!
TAG 2: Uplistsikhe – Gori – Zemo Nikosi
Am zweiten Tag unserer Reise stand zunächst der Besuch des Stalin-Museums in Gori auf dem Programm, ein unsägliches Relikt der Verherrlichung des georgisch stämmigen Diktators, das mit einer nur kleinräumigen Aktualisierung versehen wurde. Am Nachmittag besuchten wir Metropolit Isaiah von Nikosi und Zchinwali in Zemo Nikosi, ein Ort nahe des von Russland besetzen Gebietes Süd-Ossetien. Nach dem Krieg 2008 und trotz der schwierigen geographischen Lage wurde von ihm 2009 das Animationsfestival und 2011 die Kunstschule im Ort gegründet. Er selbst studierte Animationskunst, bevor er sich 1993 für ein Klosterleben in Abchasien entschied. 1995 wurde er zum Bischof von Nikosi ernannt.
Der nächste Besuch führte uns in das Gori Art House. Wir wurden von Mari Topchishvili empfangen, die uns eine Einführung in ihre Arbeit und die aktuellen Ausstellungen gab. Das Gori Art House, 2020 als Gori Photographers Club gegründet, fördert die Entwicklung der Fotografie, zeitgenössischer Kunst und Kultur im Allgemeinen in Georgien. Es fungiert als regionale Plattform mit Workshops verschiedener Genres, klassischen Ausstellungen, Foto-Kursen und Kunst-Festivals mit internationaler Beteiligung. Die reflektierte Auseinandersetzung mit der aktuellen Geschichte des Landes und künstlerisch aufgearbeiteten Inhalten politischer Proteste, brachte das Gori Art House unverschuldet in die Situation, um das Weiterbestehen dieses für die Region so wichtigen Hauses fürchten zu müssen.
Die Reise führte uns weiter zur historischen Höhlenstadt Uplistsikhe. Die in den Fels gehauene antike Siedlung zählt zu den bedeutendsten archäologischen Stätten Georgiens. Zugleich bot sich ein beeindruckender Ausblick auf die umliegende Landschaft.
Den Ausklang des Tages bildete ein gemeinsames Abendessen mit Weinverkostung im Weingut Merebashvili in Kaspi. Die zum Teil in traditionellen Amphoren nach jahrhundertealter Tradition hergestellten Weine und die hervorragenden regionale Gerichte waren ein Exempel für Georgische Gastfreundschaft und Kulinarik!
TAG 3: Wissenschaft, Politik und Kultur
Der Tag in Tiflis begann mit einem Spaziergang durch die Altstadt gemeinsam mit Prof. Dr. Benedikt Harzl, begleitet von Gesprächen über Kultur und Stadtentwicklung. Anschließend folgte ein Besuch im unabhängigen Kunstraum Kurorti sowie im kreativen Zentrum Fabrika, die beide Einblicke in die zeitgenössische Kunst- und Kulturszene boten. Ein zentrales Highlight war das Gespräch mit Univ.-Prof.in Dr.in Nino Lapiashvili, Leiterin des Institute for European Studies an der Tbilisi State University, zu den Zukunftsperspektiven Georgiens.
Den Abschluss bildete der Besuch des Departments für Media Art an der Ilia State University und einem Gespräch mit seiner Leiterin Univ.-Prof.in Dr.in Nana Iashvili über die universitäre Kunst- und Designausbildung in Georgien.
TAG 4: Geschichte, Kultur und Beziehungen
Der vierte Tag unserer Reise begann mit einem intensiven Eintauchen in die Geschichte und Kultur Georgiens. Am Vormittag stand der Besuch des Georgischen Nationalmuseums auf dem Programm. Die Führungen durch die verschiedenen Sammlungen boten einen facettenreichen Überblick – von archäologischen Funden über die bewegte Geschichte des Landes bis hin zu eindrucksvollen Exponaten aus der jüngeren Vergangenheit. Besonders die Darstellungen der sowjetischen Epoche hinterließen einen nachhaltigen Eindruck und regten zum Nachdenken an.
Im Anschluss führte uns der Weg zum Flohmarkt an der Trockenen Brücke. Zwischen alten Büchern, sowjetischen Relikten, Schmuck und zahlreichen Alltagsgegenständen.
Am Nachmittag stand ein diplomatischer Programmpunkt im Mittelpunkt: der Besuch der Österreichischen Botschaft Tiflis. In einem Gespräch mit Botschafter Robert Gerschner, der sein Amt 2024 übernommen hat und zuvor als Gesandter an der österreichischen Botschaft in Moskau tätig war, erhielten wir Einblicke in die außenpolitische Arbeit Österreichs im Südkaukasus. Besonders hervorgehoben wurde die Entwicklungszusammenarbeit mit Georgien und Armenien. Die Projekte konzentrieren sich vor allem auf Land- und Forstwirtschaft, Dezentralisierung sowie Konfliktprävention – Bereiche, die für eine nachhaltige Entwicklung und Stabilität der Region von zentraler Bedeutung sind.
Im Anschluss berichtete Ana Margvilashvili über ihre Arbeit, insbesondere im Bereich des Empowerments von Frauen.
Den Abschluss des Tages bildete der Besuch des Pantheons, einer Nekropole auf dem Mtatsminda. Hier sind zahlreiche bedeutende georgische Schriftsteller, Künstler und einige wichtige politische Persönlichkeiten begraben. Die teils kunstvoll gestalteten, teils ungewöhnlichen Grabmäler zeugen von der kulturellen Bedeutung dieses Ortes. Gleichzeitig bot sich ein weiter Blick über die Stadt Tiflis, der den Tag stimmungsvoll abrundete.
Der vierte Tag verband auf eindrucksvolle Weise historische Reflexion, aktuelle politische Einblicke und kulturelles Gedenken.
Donnerstag, 23.04.2026, 18.00 Uhr, Akademie Graz:
Assoz.-Prof. Mag. Dr. Benedikt Harzl gibt eine Einführung mit Tipps und Infos zur Georgienreise
Im Mai 2026 fand die Fortsetzung der europapolitischen Bildungsreisen der Akademie Graz statt.
Unter fachlicher Begleitung ging es mit Assoz.-Prof. Mag. Dr. Benedikt Harzl, stv. Leiter des Zentrums für osteuropäisches Recht der Universität Graz, nach Georgien.
In dieser Reise geht es um die aktuelle Verfasstheit dieses schönen Landes: seine gefährdete demokratische Zukunft, seine lebendige aber bedrohte künstlerische und literarische Szene und das große und vielfältige kulturelle Erbe vor dem Hintergrund der Aggression umliegender Imperialmächte.
Im Vordergrund stehen Begegnungen und Gespräche mit Persönlichkeiten des kulturellen Lebens sowie Besuche ausgewählter Kultur- und Naturdenkmäler in Georgien, aber auch Vertiefungen in Politik und Wirtschaft.
Clash der großen Imperien: Georgien in der Zerreißprobe. Georgien ist eine sehr alte und vielfach bedrohte Kulturregion, die im macht- und geopolitischen Zugriff v.a. von Russland, China und Türkei steht. Teil des Friedensprojekts der EU zu sein, wird v.a. in den Städten angestrebt, aber nicht mehr in den ländlichen Regionen – ähnlich wie in vielen Ländern der EU selbst.
Das Land Steiermark pflegt seit 30 Jahren gute Beziehungen mit Georgien, v.a. mit Bildungsprojekten in Kachetien und seiner Hauptstadt Telawi.
Wir besuchen die Städte Tiflis, Mtskheta und den Stalin-Geburtsort Gori. Programm ist der Besuch von Kulturerbe-Denkmälern, der Universität Tiflis, zeitgenössischer Kultureinrichtungen sowie viele persönliche Begegnungen und Gespräche mit Expert:innen aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft.
Graz Museum und Reiseparadies Kastler GmbH.
Anmeldungen unter:
Akademie Graz
Neutorgasse 42
8010 Graz
T: 0316 837985-14
E: office@akademie-graz.at